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Mittwoch, 6. Juli 2011

FASHION // BASIC INSTINCTS

http://www.derze.it/





























Bei 'Basic Instinct' denken wir an schmutzigen Sex mit Sharon Stone und Eispickel. Das Mode- und Designinstitut Premsela hatte anderes im Sinn, als es seinen Showcase nach Paul Verhoevens Neo-Noir-Thriller benannte. So intuitiv wie sich Michael Douglas als Detective auf eine gewagte Liaison einlässt, verbinden die Niederländer zeitgenössisches Modedesign mit skurrilen Installationen und Objektkunst aus ihrer Heimat. Dort hat sich aus der calvinistischen Modetradition eine Kultur des Anti-Mainstream entwickelt. Und zwischen dem Mut zur nationalen Eigenart, schnörkellos unbunten Entwürfen und eskapistischen Silhouetten spürt man plötzlich doch den Geist des Todesengels, wenn sich in Iris van Herpens bizarrem Bondage-Fashionvideo die Körper in skulpturalen Polyamidkleidern zu Heavy Metal aufbäumen. Dank u wel!
'Basic Instincts' by Premsela, the Netherlands Institute for Design and Fashion /
1.-31. July / Villa Elisabeth / Invalidenstr. 4a / 10115 Berlin-Mitte
www.premsela.org

Mittwoch, 12. Januar 2011

ART // MITCH EPSTEIN: INSIDE OUT



http://www.stylemag-online.net/2011/01/12/mitch-epstein-inside-outside/































Der Fotograf Mitch Epstein wurde außerhalb der USA eher durch seine Bildbände bekannt. Mit 'State of the Union' widmet sich das Kunstmuseum Bonn zwei seiner ikonischen Werkserien, welche die USA ganz unterschiedlich dokumentieren. 'Recreation' spiegelt typisch amerikanische Alltagssituationen der 1970er und 1980er Jahre: Motels mit Pools, Aufenthaltsräume und Situationen des Wartens an Flughäfen, ländliche Auszeitszenarien, pluralistisch unschuldige Freizügigkeit. Die intimen Einblicke in die Ausgelassenheit der Protagonisten, die Schräglage der Perspektive und der Randlichtabfall in den Schnappschüssen integrieren den Fotografen in die Szenerie, vermitteln das wehmütige Gefühl einer vergänglich flüchtigen Momentaufnahme aus einer optimistischeren Zeit. Völlig anders dagegen wirkt seine aktuelle Serie 'American Power' – der Fotograf steht außen, ist nicht mehr Teil des Geschehens sondern distanziert sich von seinen Motiven. Die Dominanz überproportionaler Kühltürme wirkt fiktional, die Stillleben der Verwüstung bedrückend – Epstein dokumentiert eine gewalttätige Energieindustrie, der man scheinbar machtlos gegenübersteht. Begleitend zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag der großformatige Bildband 'Mitch Epstein. State of the Union' erschienen – für alle, die nicht mehr bis zum 23. Januar nach Bonn kommen oder/und sich von den ausdrucksstarken Fotografien in aller Ruhe beeindrucken lassen möchten.

Mitch Epstein, 'State of the Union', Kunstmuseum Bonn, 11. November 2010 – 23. Januar 2011
kunstmuseum-bonn.de
Credits: 
Mitch Epstein, Amos Coal Power Plant, Raymond City, West Virginia 2004, Walther Collection Neu-Ulm
Mitch Epstein, New Orleans I, Louisiana 1974, Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln
Mitch Epstein, West Side Highway, New York City 1977, Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Donnerstag, 23. Dezember 2010

ART // A COLLECTION A DAY

http://www.stylemag-online.net/2011/01/02/a-collection-a-day/





































Einen ganz besonderen Jahresrückblick präsentiert die Künstlerin und Illustratorin Lisa Congdon: An jedem Tag in diesem Jahr stellt(e) sie eine kleine Sammlung zusammenpassender Dinge vor – echte Fundstücke aus ihrem Haushalt oder Zeichnungen, Skurrilitäten, Kuriositäten, Banalitäten. Ihre kauzige Leidenschaft teilt sie auf ihrem Blog 'A Collection a Day', das dazugehörige Buch erscheint im nächsten Frühling, was beweist, dass sie nicht die einzig passionierte Sammlerin sein kann. Die Kunst besteht aber nicht allein im Sammeln und Abfotografieren, erst die farblichen und förmlichen Zusammenstellungen bezaubern. Unter den hübschen Arrangements sind: Federn, Radiergummis, italienische Briefmarken, alte Schwarzweißfotos, Keramik-Eulen, dänische Kerzenleuchter, Nähgarn, 1950er-Jahre-Lampen und Gepäckanhänger.Inspiriert, nostalgisch verzückt, und von geweckten Erinnerungen beflügelt, passiert das Jahr auf ganz andere Weise vor dem inneren Auge, als es ein politisch motivierter TV-Jahresrückblick vermag. Außerdem wird die Besonnenheit auf die eigenen kleinen Besitztümer gerichtet und vom Konsumzwang abgelenkt. Viel Spaß!

Courtesy: http://collectionaday2010.blogspot.com/

Freitag, 10. Dezember 2010

ART // ART BASEL + NADA ART FAIR MIAMI

http://www.stylemag-online.net/2010/12/10/highlights-art-basel-und-nada-art-fair-miami/








































































Nichts ist mehr, was es mal war, auch nicht die Art Basel unter den Palmen Miamis – aber wie sollte sie auch? Trotz einstimmiger Kritik am 'All American Mainstream' fanden wir viele Highlights unter den Werken der über 2000 Künstler auf der diesjährigen, neunten Kunstmesse an der Ostküste, die sich nicht dem amerikanischen, monetären Markt anzupassen schienen. Die neue Ruhe zwischen den Kojen lag am fast vollständigen Fehlen von Medienkunst, die sich ansonsten gerne durch nervöses Flackern oder Tönen ausbreitet. Die gläserne, interaktive Installation 'Reality Show' von Ivan Navarro war eine Ausnahme, die dem Besucher mit LED-Lichtern einen faszinierenden Schwebezustand vorgaukelte. Auch traumwelthaft wirkten figürliche Plastiken aus Styropor, Schaumstoff und Silikon in kontrastierenden Miami-Pastell-Tönen auf Schwarz von Folkert de Jong, die anmuten wie 'gebrochene Engel'. Eher alptraumhafte Assoziationen rief das verbrannte Spielzeug von Richard Kelley hervor. Die Dokumentation 'Breathing in/Breathing out' der Performance-Künstlerin Marina Abramovic (zusammen mit Ulay), bei der die Personen ihre Atemzüge und so Sauerstoff gegen immer mehr Kohlendioxid austauschen, bis fast zur Besinnungslosigkeit, bildet eine der beeindruckendsten Werke. Die feinfühligen Fotografien von Laurel Nakadate, bei denen man die Raumtemperatur zu spüren meint, gehören zum engsten Kreis der Kunst, mit der man am liebsten die eigene Wand schmücken möchte. Sergey Bratkov ironisiert amerikanische Kultur mit rauchenden Jungs in Mickey-Mouse-Sweatern dagegen schnörkellos und scharf gezeichnet. Im Gegensatz zur basteligen Atmosphäre im letzten Jahr, wirkte der kleinere Nebenschauplatz, die Nada Art Fair, erwachsener. Die Kollagen, Zeichnungen und Gemälde von Mercedes Heinwein, Brody Condon, Matthias Dornfeld und Michelle Jezierski spiegelten psychedelische Trips, surreale Landschaften und David-Lynch-Ästhetik. Fazit: Vielen Dank für den Tauchgang in eine Traumwelt, Art Basel Miami!
Bildcredit>Niki Pauls

Freitag, 29. Oktober 2010

ART // PIG 05049

http://www.stylemag-online.net/2010/10/29/schwein-und-schaf-sind-meine-munition/
Hüfte, Lende, Hachse, Speck und Wolle – in diese Kategorien zerlegt das geistige Auge ein Schwein oder ein Schaf. Vielleicht kommen Attribute wie dick, rosa, warm und lecker dazu. Eine neue Transparenz und ungeahnte Verwertungsvarianten in der Nutztierhaltung führt uns die Künstlerin Christien Meindertsma vor. Für ihr Buch 'PIG 05049' bekam sie im letzten Jahr den internationalen Index Award für Design. Drei Jahre recherchierte sie, welche Produkte aus einem Schwein, nämlich Schwein Nummer 05049, gewonnen werden. Zu den ungewöhnlichsten Dingen zählen: Munition für Gewehre, Medizin, Fotopapier, Herzklappen, Bremsen, Kaugummi, Porzellan, Kosmetik, Zigaretten, Haarspülung und Bio-Diesel. Die absurden Teile, in die Nr. 05049 zerlegt wurde, dokumentierte Meindertsma detailliert in ihrem Bildband und hält uns so auch die traurige Abgestumpftheit vor Augen. Plastisch wurde die faszinierende und ekelhafte Wahrheit über die Schweineteile während ihrer Ausstellung in der Rotterdamer Kunsthalle. Neben Schweinen beschäftigt sich Christien Meindertsma meistens mit Schafen: Wollskulpturen, geschorenen Tieren, dem Produktionsweg vom Merino-Schaf zum Pullover und der eigenen Kollektion aus diesen. Wir sind gespannt, welches Tier als nächstes kommt.
Photos by Roel van Tour, Kenji Masunaga, Julie Joliat
www.christienmeindertsma.com

Montag, 20. September 2010

ART // FRUIT SKULLS

http://www.stylemag-online.net/2010/09/20/fruit-skulls-by-dimitri-tsykalov/

Was Asiaten können, machen Russen noch besser. Oder sagen wir mal anders. Statt der bekannten Rosen und Schwäne schnitzt Künstler Dimitri Tsykalov Totenschädel aus Melonen, Äpfeln, Kohlköpfen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Künstler mit seinen Skulpturen provoziert, bei seinem Namen fallen einem Fleisch- und Gedärm-behängte Körper ein. Die Botschaft: Überdruss und Verschwendung soll uns ängstigen. Ob Tsykalov immer sozialkritische oder aber skandalöse Absichten verfolgt, bleibt Interpretation, ebenso, ob der weggeworfene, tote Apfelrest einem ins schlechte Gewissen spukt.
Bildcredit>Dimitri Tsykalov

Freitag, 17. September 2010

ART // FAST TRASH

http://www.stylemag-online.net/2010/09/17/catch-of-the-day-fast-trash/











































In den USA findet man neuerdings im Supermarkt nicht nur Lachs und Forellen im Fischregal, sondern weiteres Strandgut aus der jeweiligen Fangzone: Kondome, Kippen, Plastik, Dosen und anderen Müll. Ekelig aber wahr. Diese Fundstücke, ebenfalls lebensmittelecht in Folie verpackt und mit einem Aufdruck zu Inhalt und Herkunft versehen, stammen auch aus dem Meer. Der 'Catch of the Day' zeigt, was außer dem Fisch noch im Netz landet. Initiiert wurde diese wachrüttelnde Guerilla-Kampagne von der Surfrider Foundation, die sich für den Schutz der Meere und Gewässer einsetzt, mit kreativer Unterstützung der Agentur Satchi & Satchi in LA. Guter Fang!
www.surfrider.org/whoweare.asp

Freitag, 10. September 2010

ART // EXAMPLES TO FOLLOW

http://www.stylemag-online.net/2010/09/10/uferhallen-zur-nachahmung-enpfohlen/



































Eine angenehme Ruhe macht sich in den lichten Uferhallen Wedding breit, nur ein paar Plätschergeräusche und leise Stimmen einzelner (Video-) Installationen der Ausstellung 'Zur Nachahmung empfohlen! – Examples to follow!' sind zu vernehmen. Hinter dem auffordernden Etikett stehen zahlreiche Kunstwerke, die auf beeindruckende, simple oder aufwändige, teilweise witzige Art die ästhetische und kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit behandeln. Welche Antworten hat die Kunst auf globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die Endlichkeit der Energiereserven, das Schwinden der Biodiversität, gesellschaftliche Entwicklungen und was kann sie bewirken? Zeitlos aktuell bleibt eine Antwort von Joseph Beuys, der mit seinem Pflanzprojekt '7000 Eichen' 1982 der Documenta, den Kasselern und der Welt zeigen wollte, dass die Kunst Verantwortung übernimmt. Neuere Entgegnungen stammen zum Beispiel von Néle Azevedo, deren Aktion 'Minimum Monument' als Videodokumentation ohne Worte auskommt: Auf frequentierten Treppen werden sitzende Eismännchen verteilt, die langsam tropfend transparenter werden und schließlich schmelzen. Der atmende Laubhaufen 'The Guide' von Clement Price-Thomas erschreckt den Besucher ebenso wie schon Menschen und Hunde im New Yorker Central Park, da er den Sinn für das Gewöhnliche stört und die Illusion von Lebendigkeit vermittelt. Die Büro-Installation 'Adopted' von Gudrun F. Widlok vermittelt familiär bindungslosen, erwachsenen Europäern Pateneltern in Afrika. Eine der beeindruckendsten Installationen stammt vom dänischen Künstlertrio Superflex: Das Video 'Flooded McDonald’s' zeigt, wie der Nachbau eines McDonald’s-Restaurant langsam geflutet wird, Stühle, Becher, Pommes und Ronald McDonald im trüben Wasser schwimmen, das Portrait des 'Employee of the Month' versinkt und die Leuchtreklame gefährlich summend erlischt. Durch die Unterwasser-Geräusche und die Katastrophenfilm-typische Kameraeinstellung, halb über und halb unter Wasser, entsteht eine Konsum-Endzeitstimmung. Die künstlerische Herangehensweise an das gesellschaftspolitische Umwelt- und Zukunftsthema reicht von subtil, experimentell, pedantisch, bis plakativ und weit über verrückte Recycling-Ideen hinaus.
www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/programme/kultur_der_nachhaltigkeit/zur_nachahmung_empfohlen.html

Freitag, 30. Juli 2010

ART // DER CARAVAGGIO

http://www.stylemag-online.net/2010/07/30/der-caravaggio/


















































































Wie stürzt man eine Kunstepoche? Während seine Kollegen gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch der verherrlichenden Darstellung huldigten, malte Michelangelo Merisi da Caravaggio neuartig realistisch und naturalistisch. Und wurde so zum Überwinder des Manierismus und Begründer der römischen Barockmalerei. Im Zeichen des Frühbarocks wählte auch er vorwiegend biblische Themen, verknüpfte aber mit der Darstellung einer unidealisierten Wirklichkeit und drastischen Alltäglichkeit das Sakrale mit dem Profanen. Statt harmonischer Gruppenportraits wählte er aus der darzustellenden Szene den Moment der höchsten Dramatik, nicht nur in der Enthauptung des römischen Heerführers in 'Judith und Holofernes'. Potenziert wird die Dramatik durch Caravaggios meisterhaften und einzigartigen Einsatz von schräg einfallendem Schlaglicht – die Figuren, Gesten und Bewegungen wirken ungewohnt lebendig, die theatralische Inszenierung wie die perfekte Momentaufnahme im dritten Akt. Die provozierende Nacktheit, vielleicht sogar Homoerotik (z.B. 'Amor als Sieger' mit freizügigem Ausfallschritt) und das fehlende Dekor in den Gemälden des italienischen Barockmalers riefen immer wieder Kontroversen hervor, zum Beispiel mit der Kirche, die zahlreiche seiner Darstellungen ablehnte. Auch weil Caravaggio seine üppigen Modelle für die biblischen Frauenfiguren auf der Straße fand, vermutlich stand die schöne Dirne Fillide Melandroni nicht nur für die Darstellung der 'Judith' Portrait. Ob Caravaggio einen seinem Malstil entsprechend egozentrischen Lebenswandel pflegte und ob seine Gemälde Ausdruck sexueller Freizügigkeit oder bloß gelassene Selbstverständlichkeit sind, ist spekulativ – der Mythos vom gewalttätigen und promiskuitiven Malergenie hält sich jedenfalls hartnäckig. Sicher ist, dass er mehrfach wegen körperlicher Gewalt oder Waffenbesitz angeklagt wurde. Bis zu seinem Tod 1610, kurz vor seinem 39. Geburtstag, war er praktisch immer auf der Flucht vor seinen Verurteilungen. Pünktlich zum 400. Todestag und dem in Rom ausgiebig gefeierten Caravaggio-Jahr 2010 erschien nun im Taschen Verlag der Bildband 'Caravaggio – Das vollständige Werk.' Der Autor, Kunsthistoriker Sebastian Schütze, dokumentiert das Leben und Schaffen des Malers auf seinen vielen Stationen in Mailand, Rom und Neapel, auf Malta und Sizilien, seinen Einfluss auf die Kunstwelt, die sogenannten 'Caravaggisten' und zahlreiche Künstler, darunter Rubens, Rembrandt, Vermeer und Velázquez. Thematisch geordnete Detailansichten lassen Caravaggios ausgefeilte Bildrhetorik von Blicken und Gesten nachempfinden. Der opulente Bildband zeigt alle Werke auf seidenmattem, schwerem Papier, auf über 300 Seiten. Die klar erkennbaren Farbnuancen, zum Beispiel der grünlich schimmernde, 'kleine kranke Bachus', den er wahrscheinlich während eines Krankenhausaufenthalts malte, die feinen Pinselstriche, Brüche, Risse und Poren in den Gemälden machen aus dem Blättern einen Museumsbesuch.
Sebastian Schütze: 'Caravaggio – Das vollständige Werk', www.taschen.com

Samstag, 22. Mai 2010

ART // BECOMING AND DECAYING

http://www.stylemag-online.net/2010/05/22/becoming-and-decaying/




















































Die Stadt ist das Phänomen von Menschen, die sich zusammenschließen, zusammen wohnen wollen, Gemeinschaft sein wollen. Jedenfalls hat es mal so angefangen, mit solchen Motivationen. Mittlerweile leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, sie drängeln in die Mitte oder stehen am Rand, eng beieinander und doch anonym. Denn die Stadt 'birgt die Zukunft der Welt', schreibt der Journalist Marcus Jauer im Editorial des neuen Bildbands 'Die Stadt. Vom Werden und Vergehen'. Das schwere Buch dokumentiert Zeichen von Aufbau und Zerstörung, Vegetation und Stillleben, z.B. die Slums von Manila, die Skyline von Dubai, die Ruinen in Gaza, Fassaden in Las Vegas und das, was sich dahinter verbirgt, in New York, Moskau, Istanbul, London, Berlin, Shanghai, Tokio, Tschernobyl, Detroit, Minsk, Reykjavik, Lagos. In Erinnerung bleibt nicht das Postkartenpanorama, sondern die ganz subjektiven Bilder, die empfundene Stimmung und Ausstrahlung ergeben das Portrait einer Stadt. 18 Fotografen der Agentur Ostkreuz, darunter Pepa Hristova, Heinrich Völkel, Jörg Brüggemann und Harald Hauswald präsentieren ihre ganz individuellen Portraits von Städten, die sie besucht haben.
www.hatjecantz.de
www.ostkreuz.de

Freitag, 30. April 2010

CULTURE // BEST-EVER

http://www.stylemag-online.net/2010/04/30/bestever-im-projectroom/
























'One Night One Piece' – unter diesem Motto teilte sich gestern einmal wieder ein Künstlerduo die Leinwand im Projectroom in der Schönhauser Allee. Mit lässiger aber präziser Detailverliebtheit verwandelten Neil Burton und Hadley Newman aka Best~Ever die zart vorgezeichneten Umrisse in dreidimensional anmutende Hände, Augen, Körper. Nach den Live-Paintings mit Herakut, Jaybo mit Remi Rough und Marco „Pho“ Grassi im letzten Jahr waren wir nun gespannt auf das selbstbewusste Londoner Street-Art-Duo Best~Ever. Wer sich diesen Namen gibt, muss sich superlativen Erwartungen stellen. In entspannter Atmosphäre füllten sich die Bänke vor der Leinwand und leerten sich die Kühlschränke mit unseren Bier- und Wodka-Vorräten von Veltins und Finlandia. Mit Spraydosen, Pinseln, Schablonen und einem Style aus Hyperrealismus und Comiczeichnung begeisterten die Briten unsere Gäste, die nicht schlecht über die Metamorphose auf der Leinwand staunten. Was den harten Kern des Abends dazu trieb, auch noch die umgebenden Wände der Leinwand zu gestalten, lässt sich nur mit euphorischer Kunstbesessenheit beschreiben und bleibt das Geheimnis dieser flirrenden Nacht…
Bilder > Peggy Laubinger + Tausb
wearebestever.co.uk

Dienstag, 20. April 2010

ART // WOMEN ARE HEROES

http://www.stylemag-online.net/2010/04/20/jr-frauen-sind-helden/



























Überdimensionale Augenpaare und Konterfeis starren von Eisenbahnwaggons, Wellblechdächern und Steinhäusern. In den Favelas von Rio de Janeiro und Dehli, in Kambodscha und Sierra Leone. Nicht auf- aber eindringlich präsentiert der französische Künstler JR seine Modelle auf schwarz-weißen Riesenpostern, mit denen er die Umgebung tapeziert. Sein drittes Projekt 'Women are Heroes' dokumentiert Frauen in Krisengebieten und offenbart zwar großformatig aber dennoch subtil ihren emotionalen Zustand – beeindruckend und nachdenklich stimmend, nicht mitleidig machend. In Deutschland werden seine Werke nun erstmals in der neuen Galerie Springmann.Varol in Düsseldorf präsentiert: ein Zusammenschluss des Galeristen Henrik Springmann, der sich bisher auf Gegenwartskunst und Klassische Moderne spezialisierte, und des Sammlers Selim Varol, dessen Exponate aus zeitgenössischer Kunst und Urban Art stammen. Zusammen wollen sie sich nun auf internationale Gegenwartskunst und die Arbeit mit aufstrebenden Künstlern konzentrieren.
Galerie Springmann.Varol
www.springmann-varol.com
www.jr-art.net

Dienstag, 13. April 2010

ART // LARS TEICHMANN

http://www.stylemag-online.net/2010/04/13/lars-teichmann-imagine/






Zeichnen sei nicht so sein Ding, sagt Lars Teichmann. Macht nichts, die Dynamik in seinem plastischen, schwarzen Pinselstrich steht den großflächigen Leinwänden auch besser. So findet man sich gleich beim Betreten der Galerie Kunstagenten vor mächtigen, expressionistischen Gemälden, die gleichermaßen einschüchtern und fesseln. Als immer detailreicher entpuppen sich die halb abstrakten, halb figürlichen Elemente. Die Formsprache ist Teichmann wichtiger als die Symbolik, der Buchstabe bedeutender als das Wort. Klar erkennbar ist seine Neigung zu barocken Figuren, pompöser Ästhetik und zeitgenössischer Comiczeichnung – aus der Mitte mehrerer Bilder ragt Viktoria, von schwarzen Moränen bedroht, von Elefanten begleitet oder durch Pokemon entschärft. Zwischen den gewaltigen Rahmen tauchen filigrane, ovale Formate auf, die an mittelalterliche Portraits erinnern. Kontrastreich wirkt auch Teichmanns Umgang mit Farbe: tiefes Schwarz zu zartem Altrosa oder dickem, silbrigen Öl. Auf der nächsten Wand überrascht ein fast fröhlich neongrelles, abstraktes Gemälde in völlig anderer Stilistik. Wer Lars Teichmanns beeindruckende Bandbreite noch nicht gesehen hat, kann dies noch bis zum 17. April bei den Kunstagenten nachholen.
www.kunstagenten.de
www.larsteichmann.com/

Montag, 15. März 2010

ART // BRANDENBURGS BONKERS

http://www.stylemag-online.net/2010/03/15/brandenburgs-bonkers-in-der-cfa/











































































Alle Künstler, Kunstinteressierten und selbst zu Kunstwerken Verwandelte stürmten am Freitag die Contemporary Fine Arts Gallery am Kupfergraben in Berlin und demonstrierten einen Besucherrekord. Der Anlass: Marc Brandenburgs neue Ausstellung 'Bonkers'. Titelmotiv der neuen Werkschau ist ein Fußballfan mit zahlreichen Schals und Emblemen auf der Jacke, ein detailverliebtes und präzise herausgearbeitetes Portrait in Brandenburgs typischer Fotonegativ-Anmut. Unter den Zeichnungen, die alle farblos mit Bleistift und Graphit auf Papier auskommen, finden sich perfektionistische menschliche Motive, wie zum Beispiel Michael Jackson, der gleich in zwei unterschiedlichen Versionen ausgestellt war, aber auch fließende, abstrakte Gemälde. Alle Werke bestechen durch ihre unglaublich penible Präzision und verführen ganz nah zu kommen, um die einzelnen Schraffierungen und Linien zu entziffern. Die flüchtigen, gestochen scharfen 'Momentaufnahmen' hinterlassen eine teilweise düstere, immer aber beeindruckend lebendige Empfindung. Brandenburg jedenfalls schien sich zwischen seinen exponierten Werken und Gästen, unter ihnen auch das Künstlerpaar Eva & Adele, wohl zu fühlen und zeigte: zwischen Schwarz und Weiß befindet sich nicht einfach nur Grau.
www.marcbrandenburg.de

Freitag, 20. November 2009

CULTURE // JOY FANTASTIC

http://www.stylemag-online.net/2009/11/20/oh-what-a-joy-oh-how-fantastic/







































Ein goldrauschender Abend hinterlässt seine Spuren. Was die seitenlange Gästeliste des Joy Fantastic Events erahnen ließ, wurde übertroffen. DJ Bonnie sorgte für den perfekt gemixten, elektronischen Aperitif einer 'night of beats, booze and debauchery'. Spätestens zum Auftritt der Pariser Band SomethingALaMode (SALM), die in diesem Jahr mit ihrem Album den Soundtrack für Chanels Haute Couture Show lieferte, drängelte sich die gesamte Crowd in unseren Project Room und bejubelte die Elektro-Klassik aus Violine, Cello und Bohème. Dass auch nach dem Konzert niemand gleich nach Hause wollte, lag wohl an der bezaubernden Palina Power an den Decks, die alle zum Tanzen brachte. Dank unserer Freunde von Marlboro Gold Advanced wurde ausgelassen gefeiert und Joy Fantastic zu einer glänzenden Party. Get wasted before midnight – das Motto wurde ernst genommen und mit aller Macht umgesetzt...
PICS>Katja Hentschel, TausB
www.project-room.org

Mittwoch, 21. Oktober 2009

ART // PORTRAIT OF A LADY

http://www.stylemag-online.net/2009/10/21/green-portrait-of-a-lady/





















































Botanische Streetart ist das neue Graffiti – statt zur Sprühdose greifen zwei Künstler aus Ungarn zur Pflanze. Edina Tokodi und József Vályi-Tóth fingen mit Ihrem Projekt 'Mosstika Urban Greenery' eines Tages an, Brooklyns Fassaden zu düngen. Früher waren es stilisierte Figuren aus dichtem Moos, später Symbole aus fransigem Gras. Ihre neueste Arbeit aus wachsendem Grün stellt vorangegangene Installationen in den Schatten: Das neue 'Material' besteht aus Sukkulenten, die besonders robust sind, gerne vertikal wachsen, sich mit Wasser voll saugen und saftiggrün ranken. In einem weißlackierten, aufwendigen Holzrahmen mit integrierter Bewässerung schieben sich – von nahem betrachtet – zarte Pflänzchen durch die Fugen. Von weitem wächst zusehends das lebendige Portrait einer Frau. Der vielleicht bereits Tränen aus den Augen tropfen?
www.mosstika.com/

Freitag, 18. September 2009

DESIGN // WHITE OBJECTS BY MMM

http://www.stylemag-online.net/2009/09/18/„white-objects“-by-mmm/

























Weiß. Die lichte, pure und unbunteste (Nicht-)Farbe impliziert Freiraum, Spielraum, Interpretations- und Projektionsfläche. Zu kaum einem anderen Label passt sie besser als zu Maison Martin Margiela. Deshalb heißen die neuen Interieurobjekte der Line 13 'white objects'. Denn unprätentiös und uneitel ziert die Kleidungsstücke das schlichte weiße Rechteck mit den vier Stichen und dem weißen Faden, statt eines blasierten Schriftzuges. Beim Einzug in neue Atelierräume wurde das vorhandene Mobiliar nicht ausgemistet, sondern mit grobem Pinselstrich weiß getüncht. Nicht nur die Farbwahl bestimmt also die Ästhetik, auch die Spuren von Benutzung und Vergänglichkeit finden sich in den 'white objects' wieder: Lampenfüße aus gebrauchten Wein- und Likörflaschen, ein klassischer Federhalter, handgemachte, russische Matrjoschkas in Weiß und ein baumwollener Kalender sind ab Oktober in Maison Martin Margiela-Stores und ausgewählten Modeläden weltweit erhältlich. Der nunmehr fehlende Inkognito-Bonus des ehemaligen Designers weicht einer humoristischen Note und erinnert doch an einen anonymen Mythos: 'White means the strength of fragility and the fragility of the passage of time.' (MMM 2008)

Dienstag, 4. August 2009

ART // ICELANDIC ART TODAY

http://www.stylemag-online.net/2009/08/04/icelandic-art-today/










































Im Gegensatz zu anderer nordischer Kunst, wirkt die Kunstszene auf Island vergleichsweise experimenteller und spielerischer. Kein Wunder, in der Isolation auf einer Vulkaninsel im Nordatlantik, nahezu unabhängig von der westlichen Kultur, kann man sich freier und ungestörter austoben. Der Bildband 'Icelandic Art Today' präsentiert die weniger soziologischen aber nicht minder tiefgründigen Werke von 50 isländischen Künstlern, die nach 1950 geboren wurden. Die meisten sind in Europa und den USA bekannt, wie zum Beispiel Björk oder Ragnar Kjartansson, der Island in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig präsentiert und uns in unserem aktuellen Heft ein Interview gab. Andere Künstler wiederum verhalten sich so sehr verbunden mit der heimischen Insel, dass sie scheinbar bisher keinen Drang nach außen verspürten und spannende Entdeckungen liefern. Von konzeptuellen Werken und Minimal Art in den 1960er und 1970er Jahren, über postmoderne Linien der 1980er Jahre bis zu zeitgenössischer Kunst, werden eindrucksvolle Werke und ihre Schöpfer auf 340 großformatigen Seiten in Bild und Text vorgestellt.Welchen Stellenwert die Kunst in Island derzeit einnimmt, zeigt sich auf den leergefegten Straßen Reykjaviks. Auf der Laugavegur stehen mehr Geschäfte leer, als sich aktive befinden. Der unerwartete Platzzuwachs bietet vielseitigen Raum für kreative Ideen. So finden sich Ateliers, Installationen und Ausstellungen in den ehemaligen Boutiquen, die der surrealen Tristesse trotzen. Wie es sich sonst auf der Insel verhält, nach dem großen Crash, und wie die Entwicklung weiter gehen könnte, kann man ab Ende August in der Septemberausgabe von Style and the Family Tunes nachlesen. Unser Autor Christopher Peterka begab sich auf Spurensuche nach Reykjavik.
Christian Schoen und Halldor Björn, 'Icelandic Art Today', www.hatjecantz.de
Bild>Life-size Hair Sculpture: Hrafnhildur Arnardottir: Björk Medulla (profile), 2004

Sonntag, 14. Juni 2009

ART // CREATIVE SPACE

http://www.stylemag-online.net/2009/06/14/creative-space-urban-homes-of-artists-and-inovators/
























































Barcelona – Berlin – London – New York – Paris – Tokyo. Francesca Gavin muss bei dieser Buchproduktion vor Freude Purzelbäume geschlagen haben. Die freie Autorin aus London besuchte für den Bildband 'Creative Space' die urbanen Studios, Wohnungen und Häuser der derzeit kreativsten Designer und Künstler in den schönsten Metropolen. Neben zum vor Neid erblassen schöner Wohn- und Atelierräume darf man über allerhand kuriose Sammelleidenschaften und DIY Interieurs staunen. Regale voller Monchichis, private Polaroids, postmoderne Kunstobjekte, Vintagemöbel und ranzige Spülbecken reflektieren eklektizistische bis improvisierte Gemütlichkeit statt durchdesigntem Minimalismus. Unter den 30 abgelichteten Resorts ist zum Beispiel das der Künstlerin Julie Verhoeven und des Maharishi-Founders Hardy Blechman in London, die kleinen Domizile des Fotografen Aram Dikiciyan und der Stylistin Baby Mary in Tokyo, Ryan McGinness’ und Wes Langs Apartments in New York, Fafis Atelier in Paris, Regisseur Roger Guals Wohnung in Barcelona und auch der Ess- und Arbeitsplatz des Art Directors der Style and the Family Tunes, Jaybo a.k.a. Monk, in Berlin Kreuzberg. Jedem Künstler entlockt Francesca Gavin ein kurzes Interview und die Preisgabe geheimer Messi-Marotten und Einrichtungstipps, als Goodie ist im Epilog ein City Guide, mit den Hot Locations der Metropolen. Der wunderschöne Bildband bietet einen realistischen Blick auf zeitgenössische Avantgarde, animiert zu Rebellion und kreativen Umgestaltungs-Attacken in den eigenen Wohnräumen.
Francesca Gavin: Creative Space – Urban Homes of Artists and Inovators
(jetzt auch in Deutschland: 'Die neuen Urbanisten')
www.laurenceking.com

Freitag, 16. Januar 2009

ART // ARAM DIKICIYAN

http://www.stylemag-online.net/2009/01/16/aram-dikiciyan-photografien/











































Filigrane Gestalten in Schwarz-Weiß, flüchtige Bewegungen in gleißendem Licht – Aram Dikiciyan startet heute seine Ausstellung 'Photografien'. Leider nicht in seiner Heimatstadt Berlin sondern in Shibuya – Tokyo, wo er mittlerweile lebt. Seine fotografische Karriere begann mit Dokumentationen der Skater-Szene Mitte der 80er Jahre. Inzwischen lösen seine Arbeiten bei Magazinen, Labels und Kunstliebhabern gleichermaßen Verzückung aus. Seine Fine Art Fotografie ist in der Clear Gallery in Tokio noch bis zum 14. Februar zu sehen.
www.aramdikiciyan.com