Dienstag, 13. April 2010

PEOPLE // OKAY&OKAY

http://www.stylemag-online.net/2010/04/13/friends-of-style-okay-okay/






























Es ist ziemlich okay, einen guten Musikgeschmack zu haben. Mehr als okay ist es, diesen der Masse zu servieren. Und es sind Okay&Okay, die die Berliner Tellerfabrik bereichern: Nadine Schrader und Sarah Beckhoff aka Okay&Okay trafen sich damals an der UdK. Seit 2007 legen sie zusammen auf und produzieren mittlerweile auch Videos.
Ihre liebevollen Sets aus Synthiesound, gesampelten 1980s-TV-themes und Clubhits werden beim inspirativen Spaghetti-Essen um Italo-Disco-Hits ergänzt. Leider gibt’s ihr zu Hause, in dem sie groß geworden sind, nicht mehr aber die Nestflüchterinnen wurden auch jenseits des Scala (R.I.P.) gefeiert, zum Beispiel im Picknick, im Broken Hearts Club, auf dem Berlin Festival und dem Melt! Mehr als okay!
Was machst du?
Disco & Video
Woher kommst du?
From Outer Space
Wohin gehst du?
Ans Meer
Wo bist du am liebsten?
Auf dem Dancefloor und Zuhause
Woran glaubst du?
An die Boys in der Hood
Woran glaubst du nicht (mehr)?
Grunge
Was liebst du (an deiner Arbeit)?
Wenn die Crowd mit uns ist
Was hasst du (an deiner Arbeit)?
Die frühen Morgenstunden
Was liest/hörst du gerade?
'History of Italo Disco 1979-83' von Fabrizio Mattar
'Schön und berühmt in 30 Tagen' von Cindy Star
'Hanni und Nanni & das Discotier' (Autor unbekannt)
www.empfehlung.de(ine)?
www.myspace.com/okayandokay
www.facebook.com/okayandokay
und sonst:
http://www.nasa.gov/
http://www.bvg.de/

ART // LARS TEICHMANN

http://www.stylemag-online.net/2010/04/13/lars-teichmann-imagine/






Zeichnen sei nicht so sein Ding, sagt Lars Teichmann. Macht nichts, die Dynamik in seinem plastischen, schwarzen Pinselstrich steht den großflächigen Leinwänden auch besser. So findet man sich gleich beim Betreten der Galerie Kunstagenten vor mächtigen, expressionistischen Gemälden, die gleichermaßen einschüchtern und fesseln. Als immer detailreicher entpuppen sich die halb abstrakten, halb figürlichen Elemente. Die Formsprache ist Teichmann wichtiger als die Symbolik, der Buchstabe bedeutender als das Wort. Klar erkennbar ist seine Neigung zu barocken Figuren, pompöser Ästhetik und zeitgenössischer Comiczeichnung – aus der Mitte mehrerer Bilder ragt Viktoria, von schwarzen Moränen bedroht, von Elefanten begleitet oder durch Pokemon entschärft. Zwischen den gewaltigen Rahmen tauchen filigrane, ovale Formate auf, die an mittelalterliche Portraits erinnern. Kontrastreich wirkt auch Teichmanns Umgang mit Farbe: tiefes Schwarz zu zartem Altrosa oder dickem, silbrigen Öl. Auf der nächsten Wand überrascht ein fast fröhlich neongrelles, abstraktes Gemälde in völlig anderer Stilistik. Wer Lars Teichmanns beeindruckende Bandbreite noch nicht gesehen hat, kann dies noch bis zum 17. April bei den Kunstagenten nachholen.
www.kunstagenten.de
www.larsteichmann.com/

Montag, 12. April 2010

MUSIC // FRED RAPID IM AUTOCENTER

http://www.stylemag-online.net/2010/04/12/fred-rapid-im-autocenter/







































































Ein halbnackter Schmalhans in buntgeringelter Unterhose brachte am Freitag mit Aussagen wie 'Ich trink Coca-Cola' einen Schwarm von Paradiesvögeln zum Tanzen: Fred Rapid feierte am Wochenende den konzeptuellen Release seines konzeptionellen Albums 'Glassworks' in der Galerie Autocenter. Mit der Begründung 'Ohne Vorstellung ist alles nichts, auch wenn nicht alles Vorstellung ist' bat Fred zur Bebilderung seiner Vertonung 29 junge Künstler und Künstlerinnen, ihren Lieblingshit des Albums zu interpretieren und zu gestalten. Heraus kam ein einzigartiger Kunstkatalog, eine Ausstellung mit Lifeperformance und, so der Kunstbuchverlag, ein 'State of the Art der disparaten jungen Kunst'. Unter den Werken hing zum Beispiel ein verschwommenes Stillleben von Alicja Kwade, eine Fotoarbeit mit Maskierten im Schnee von Malwine Rafalski und ein Einfall Gregor Hildebrandts zum Lied 'Marlboro'. Zu seinen anachronistischen, experimentellen Elektroklängen ließ Fred Rapid gesetzmäßig klingenden Sprechgesang ab und erreichte damit ein lässiges, aber begeistertes Publikum. Den ernsten Anspruch merkte man ihm an seinem beeindruckend konzentrierten Umgang mit der Yamaha Groovebox trotz aller Heiterkeit an. Auf seinem Album verzichtete er auf nachträgliche Special Effects und Schnickschnack, alle Instrumente und auch alle Stücke wurden live eingespielt. Wenn Alben mit Konzepten zu solch gelungenen Konzerten führen, wünschte man sich mehr Konzeptalben.
www.strzelecki-books.com
www.autocenterart.de
fredrapid.net

Montag, 15. März 2010

ART // BRANDENBURGS BONKERS

http://www.stylemag-online.net/2010/03/15/brandenburgs-bonkers-in-der-cfa/











































































Alle Künstler, Kunstinteressierten und selbst zu Kunstwerken Verwandelte stürmten am Freitag die Contemporary Fine Arts Gallery am Kupfergraben in Berlin und demonstrierten einen Besucherrekord. Der Anlass: Marc Brandenburgs neue Ausstellung 'Bonkers'. Titelmotiv der neuen Werkschau ist ein Fußballfan mit zahlreichen Schals und Emblemen auf der Jacke, ein detailverliebtes und präzise herausgearbeitetes Portrait in Brandenburgs typischer Fotonegativ-Anmut. Unter den Zeichnungen, die alle farblos mit Bleistift und Graphit auf Papier auskommen, finden sich perfektionistische menschliche Motive, wie zum Beispiel Michael Jackson, der gleich in zwei unterschiedlichen Versionen ausgestellt war, aber auch fließende, abstrakte Gemälde. Alle Werke bestechen durch ihre unglaublich penible Präzision und verführen ganz nah zu kommen, um die einzelnen Schraffierungen und Linien zu entziffern. Die flüchtigen, gestochen scharfen 'Momentaufnahmen' hinterlassen eine teilweise düstere, immer aber beeindruckend lebendige Empfindung. Brandenburg jedenfalls schien sich zwischen seinen exponierten Werken und Gästen, unter ihnen auch das Künstlerpaar Eva & Adele, wohl zu fühlen und zeigte: zwischen Schwarz und Weiß befindet sich nicht einfach nur Grau.
www.marcbrandenburg.de

MUSIC // ARCHIE BRONSON OUTFIT

http://www.stylemag-online.net/2010/03/15/archie-bronson-outfit-coconut/























Das dritte Album 'Coconut' der Briten Archie Bronson Outfit könnte soundtechnisch auch aus Seattle stammen, wäre da nicht die eindeutige 'Received Pronunciation' in Sam Windetts Gesang. Der Aufmacher 'Magnetic Warrior' klingt viel versprechend, mit ordentlichem Gitarrengeschrammel und Drumbeats, die den Verstärker an die Grenzen treiben. Überhaupt glänzen auch die zwei nächsten Songs 'Shark Tooth' und 'Hoola' mit hübschen, melodischen Hooklines. Einzig schade ist das Übermaß an Vocoder-Verzerrung, das Sams Falsettstimme einen zu synthetischen Klang verleiht, Feinohrhasen würden von zu viel 'Gießkanne' in der Kopfstimme sprechen. Zu dem Saitenlärm und den Speeddrums gesellt sich zwischendurch nettes Keybordgeorgel. Während die ruhigeren Stücke, wie z.B. 'Hunt you down' angenehm sphärisch verhallen, überlappen sich bei den schnellen Stücken die einzelnen Sequenzen und Klangfarben fast bis zum Kopfschmerz. Dazu mischen sich zwischendurch punkige Dreiklänge und der letzte Track 'Run Gospel Singer' – wie auch immer dieser Titel zu verstehen ist – klingt fast nach folkigem Sixties-Sound. Ein energievolles, experimentell-exotisches Album, das sich nach leidenschaftlich entstandenen Aufnahmen anhört und sicher seine Fans findet, spätestens beim nächsten Live-Akt.
archiebronsonoutfit.net

Donnerstag, 11. März 2010

FILM // ALLE ANDEREN

http://www.stylemag-online.net/2010/03/11/„alle-anderen“-dvd-verlosung/




























Ein Pärchen, Anfang 30, auf den ersten Blick sympathisch normal. Er (Lars Eidinger) Architekt, der ein bisschen auf der Stelle tritt, sie (Birgit Minichmayr) mittelmäßig erfolgreich in der Musik-PR. Gitti und Chris. Sie reisen in ihren ersten gemeinsamen Urlaub nach Sardinien, wo Chris’ Eltern ein Ferienhaus haben, vollgestopft mit deutschen Standards.
Die ersten Poolszenen geben eine Vorahnung auf temperament- und peinlichkeitsgeladene Auseinandersetzungen. Schwankend zwischen Leidenschaft und Hass, hangelt sich das Paar durch den schwülen Urlaub und klatscht sich die zirpenden Schmeißfliegen von den schwitzigen Armen. Gitti gibt den Ton an, Chris reagiert, verunsichert oder genervt. Sie Rambo, er Weichwurst.
In die Mikrowelt aus infantilem Spaß, Selbstfindung, Grundsatzdiskussionen und Offenbarungen platzt ein anderes Paar: Ein Kollege von Chris mit seiner Frau. Hans und Sana. Die Anderen. Erfolgreich, ausgeglichen, zufrieden, selbstgefällig.
Gitti ist verunsichert, 'Ich wäre manchmal so gerne anders für Dich.' Sie kauft ein gepunktetes Kleid, wird es aber nicht gegen Shorts und Tank-Top tauschen. Während sie sich krampfhaft abgrenzt, passt Chris sich an. Dabei werden beide Rollen unsympathisch und doch empfindet man Empathie. Beim Grillabend mit dem Vorzeigepärchen spitzt sich die Stimmung exponentiell zu bis die Situation eskaliert, Gitti hat plötzlich ein Messer in der Hand.
Regisseurin Maren Ade zeichnet mit Hilfe ihrer hervorragenden Schauspieler ein sehr feinfühliges Beziehungsgemälde aus der Ameisenperspektive – fast unerträglich realistisch und gleichermaßen faszinierend durch die klebrig intime Nähe zu dieser Zweisamkeit. 'Alle Anderen' erhielt bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2009 gleich zwei silberne Bären und ist jetzt auf DVD erhältlich.

'Alle Anderen' von Maren Ade (119 min., FSK 12, inkl. unveröffentlichten Bonusmaterials, alternativem Ende, Outtakes und Interviews.) www.alle-anderen.de

Dienstag, 9. März 2010

FILM // THE COVE


http://www.stylemag-online.net/2010/03/09/and-the-oscar-goes-to-„the-cove“/





























'Ein lächelnder Delphin ist die größte Täuschung der Natur' sagt Ric O’Barry, Trainer der fünf Delfine für die erfolgreiche, amerikanische Serie 'Flipper' aus den 1960er Jahren. Zehn Jahre hat er damit sein Geld verdient, es in neue Porsches gesteckt, bis er verstand, dass die Tiere in ihren Käfigen verenden. Sie können sogar Selbstmord begehen, wenn sie es nicht mehr aushalten, indem sie ihre Atmung stoppen – so hat es O’Barry schon erlebt. Seit diesem Vorfall vor 38 Jahren befreit er Delfine auf der ganzen Welt und landet dafür mehrmals jährlich im Gefängnis.
Er hatte nie vor, Aktivist zu werden, doch er fühlte sich irgendwie verantwortlich, weil die Fernsehserie dieses Multimilliardendollargeschäft mit Delfinarien ins Rollen gebracht hat: Delfine streicheln, mit ihnen schwimmen, sie zu Tode lieben. Für sein jüngstes, größtes Projekt suchte er sich mediale Unterstützung durch den Dokumentarfilmer Louie Psihoyos, denn die Leute glauben eben nur, was sie sehen.
Der Regisseur folgt O’Barry nach Taijin, Japan. Dort angelangt überkommen ihn zunächst Zweifel an O’Barrys Zurechnungsfähigkeit. Mit einem Mundschutz maskiert und unter Verfolgungsangst fahren sie ins Hotel. Doch O’Barry ist nicht paranoid, sondern tatsächlich zu bekannt und nicht willkommen in diesem bizarren Ort. 'Man könnte denken, die Stadt liebt Delfine und Wale', erklärt er. 'Das gesamte Stadtbild ist geprägt von Delfinstatuen, lachenden Delfinen an den Fassaden, sogar Booten in Delfinform. Doch in einer geheimen Bucht von Taijin findet jährlich das größte Massenschlachten von Delfinen statt.'
Mit langen Eisenstangen treiben die Fischer die Delfine in eine Bucht, indem sie auf die Stangen schlagen und eine Wand aus Lärm bilden. Die geräuschempfindlichen Tiere werden mit Netzen eingesperrt. Dort suchen sich Delfintrainer weibliche, junge Exemplare für ihre Delfinparks auf der ganzen Welt aus. Die übrigen werden in eine andere Bucht gebracht und geschlachtet. Es sind 23.000 jedes Jahr in Japan.
O’Barry hat schon einige Nachrichtensender und Tierschützer auf die Bucht aufmerksam gemacht, es ist jedoch niemals gelungen, Fotos zu machen und etwas zu dokumentieren, denn die Bucht gleicht einer Festung, aus Felsen, Zäunen, Stacheldraht und Wachposten. Regisseur Psihoyos trommelt Spezialisten, Techniker und Freitaucher nach dem „Ocean’s Eleven“-Prinzip zusammen. Bei einer zweiten Nachtmission gelingt es schließlich, getarnte Kameras in den Felsen und unter Wasser zu installieren. Was diese im Anschluss zeigen, ist kaum zu beschreiben. Die so genannten Fischer stechen von ihren Booten aus immer wieder mit langen Speeren in die zappelnden, schreienden Tiere, während sich das Wasser in der gesamten Bucht blutrot färbt.
'The Cove – Die Bucht' ist kein gewöhnlicher Dokumentarfilm geworden, sondern ein politisch-moralischer Aufklärungsfilm, unter lebensbedrohlichen Umständen gedreht und dadurch spannender als jeder fiktionale Actionfilm. Der Erfolg zeigte sich in den direkten Reaktionen auf den Film: so trat der japanische Vorstand der internationalen Walfang-Kommission zurück, das quecksilberverseuchte Delfinfleisch verschwand vom Speiseplan der Schulen in Japan und der Film erhielt in der Kategorie 'Bester Dokumentarfilm' einen Oscar! Wer es im letzten Herbst nicht ins Kino geschafft hat, sollte den Film auf DVD schauen – ab Donnerstag.
www.thecovemovie.com