Donnerstag, 19. Februar 2009

FASHION // THE HUNTER

http://www.stylemag-online.net/2009/02/19/the-hunter-geheimnisvolle-beute/



























Aus seinem Beuteschema macht René Schopf von 'The Hunter' ein kleines Geheimnis. Auf jeden Fall hat er ein Gespür für Design und scheint ansonsten zu machen und zu ordern was ihm gefällt – es funktioniert. Die hellen Räumlichkeiten von The Hunter in Berlin-Prenzlauer Berg wirken sauber, luftig und anziehend: Eingangs kleben zwei hirschköpfige Damen in Lack an der Fassade, von schwebenden Kleiderstangen hängen Shirts, Mäntel und Denim lokaler und internationaler Labels, zum Beispiel C.neeon, Fabrics Interseason, und RAF by Raf Simons.
Die Kollektion von Gail Sorronda aus Australien ist hier exklusiv in Europa zu erstehen. Schmuck ist kunstvoll um hölzerne Wurzeln drapiert, einzelne Accessoires und Schuhmodelle miteinander kombiniert in Szene gesetzt. Neu dazu gekommen sind seit November Interieur-Objekte der französischen Agentur Iukbox Art Production und die New H Jeans des österreichischen Designerduos Wendy&Jim. Letztere treten nach neun Jahren elitärer Avantgarde-Mode mit ihrer ersten Denim-Kollektion an.
Besonders stolz ist Schopf auf die frisch eingetroffene Mjölk-Ware und die Einzelstücke von Marcel Ostertag. Überhaupt gibt es viele Unikate im Shop, aber nicht nur Unbezahlbares: Von Accessoires für 25 Euro bis zum Lackmantel von Ostertag für 1.000 Euro ist viel Raum für kleine und große Budgets, für Urbane und Extrovertierte. Nach 'Futurama' zur Eröffnung im Sommer lautete das Herbst/Winter-Motto 'Girls are the Boys – Boys are the Girls', ein Spiel mit dem geschlechterverwischenden Modezeitgeist und vielen Unisex-Teilen.
Was uns als nächstes erwartet, wissen weder wir noch René Schopf. Aber intuitiv wird dem verschwiegenen jungen Mann wieder eine Überraschung gelingen.
The Hunter Berlin
Winsstraße 42
10405 Berlin
www.thehunterberlin.de

Montag, 16. Februar 2009

DESIGN // JUMBO HOSTEL

http://www.stylemag-online.net/2009/02/26/jumbo-hostel-sleep-tight/

























Wie im Himmel – so auf Erden: Das erste Jumbo Hostel der Welt lädt in Stockholm zur Erfüllung unbefriedigter Spieltriebe ein. Kein skandinavischer Schnickschnack lenkt von der Aviator-Atmosphäre ab, keine Luftlöcher und keine 'Turbolenzen'. Kopf an Kopf mit dem Steuerknüppel kann man in der Cockpitsuite das Flughafenpanorama aus der Pilotenperspektive genießen. Wem das nicht genügt, der kann sich auf der zum Sonnendeck umgebauten linken Tragfläche wie Bruce Willis fühlen – ready for take-off.
www.jumbohostel.com

Freitag, 23. Januar 2009

FILM // IM RAUSCH DER TIEFE

http://www.stylemag-online.net/2009/07/23/le-grand-bleu-im-rausch-der-tiefe/




























Jahrelang suchte man vergebens, weder in Videotheken, noch in Mediamärkten oder über Onlinebörsen konnte man den Klassiker aus den 1980er Jahren kaufen oder leihen - bis jetzt. Ein Glück.
Denn kein anderer Film zeigt das Meer in all seinen Schattierungen. Von Weiß-Glitzernd in der Sonne, blassem Hellblau, strahlendem Türkis bis zu fast Schwarz in der Dunkelheit der Bodenlosigkeit, fängt Luc Bessons 'Im Rausch der Tiefe' die Anziehungskraft des Ozeans ein. Inspiriert von der Biografie der Apnoetaucher Jacques Mayol (gespielt von Jean-Marc Barr) und Enzo Maiorca (im Film Enzo Molinari, gespielt von Jean Reno) verwirklichte sich der ehemalige Tauchlehrer Luc Besson mit diesem Film einen Traum.
Die Geschichte der beiden ungleichen Jugendfreunde Jacques und Enzo beginnt als Schwarzweiß-Rückblick auf einer kleinen griechischen Insel in den 1960er Jahren. Bei einem Tauchunglück verliert der kleine Jacques seinen Vater und zieht sich aus dem Leben zurück. Als Enzo zwanzig Jahre später einen eingeklemmten Taucher aus einem Schiffswrack rettet und einen Scheck über 10.000 Dollar kassiert, hat er nur zwei Wünsche: eine neue Lackierung für den kleinen roten Fiat und 'den Franzosen'. Er sucht seinen größten Konkurrenten und lädt ihn zur Weltmeisterschaft im Freitauchen nach Taormina ein. Dort kreuzt dann rein zufällig auch die Versicherungsangestellte Johana Baker (Rosanna Arquette) wieder auf. Fasziniert und magisch angezogen von dem scheinbar weltfremden Taucher Jacques Mayol, dem sie bei einem Schadensfall in Peru begegnete, reist sie kurz entschlossen hinterher.
Es entwickelt sich eine hysterische Liebesgeschichte, die aber mehr dazu dient, das sonderbar entrückte Wesen dieses Tauchers zu beschreiben, dessen einzigen Freunde die Delfine bleiben, dessen neu entdeckte Leidenschaft für Frauen nicht an die für das Meer heranreicht. Die komödiantischen Elemente weichen allmählich der Dramatik. Im Mittelpunkt steht der Wettstreit in der archaischen Sportart des Apnoetauchens (Tieftauchen ohne Sauerstoffflasche). Während dieser für Jacques ein Spiel bleibt, wird er für den geltungssüchtigen Enzo bitterer Ernst. Als er bei einem Tauchgang ums Leben kommt, entlässt Jacques ihn in die Dunkelheit der Tiefsee. Traumatisiert durch den erneuten Verlust einer menschlichen Bezugsperson entscheidet auch er sich für das Meer.
'Im Rausch der Tiefe' wurde über ein Jahr lang in den französischen Kinos gezeigt. Beide Schauspieler, Jean-Marc Barr und Jean Reno nahmen Tauchunterricht und ließen sich in keiner Szene doubeln. Neben der schauspielerischen Leistung lebt der Film von wunderschönen Aufnahmen und dem sphärischen Soundtrack von Eric Serra. In einer Neuauflage auf DVD und Blue-ray ist das Meeres-Epos nun endlich wieder zu haben. Leider sind in die Long-Version doch ein paar Delfinszenen zuviel geraten. Macht aber weiter nichts – ein Film, den man nicht oft genug sehen kann, statt Urlaub am Meer, für oder gegen Fernweh oder zur Therapie von Verlustangst.
www.concorde-home.de

Freitag, 16. Januar 2009

ART // ARAM DIKICIYAN

http://www.stylemag-online.net/2009/01/16/aram-dikiciyan-photografien/











































Filigrane Gestalten in Schwarz-Weiß, flüchtige Bewegungen in gleißendem Licht – Aram Dikiciyan startet heute seine Ausstellung 'Photografien'. Leider nicht in seiner Heimatstadt Berlin sondern in Shibuya – Tokyo, wo er mittlerweile lebt. Seine fotografische Karriere begann mit Dokumentationen der Skater-Szene Mitte der 80er Jahre. Inzwischen lösen seine Arbeiten bei Magazinen, Labels und Kunstliebhabern gleichermaßen Verzückung aus. Seine Fine Art Fotografie ist in der Clear Gallery in Tokio noch bis zum 14. Februar zu sehen.
www.aramdikiciyan.com

Freitag, 19. Dezember 2008

FILM // OPERATION WALKÜRE

http://www.stylemag-online.net/2008/12/19/operation-walkure-mission-possible-1944/

























Das Ende ist bekannt. Aber schauen wir uns den Film mit dieser Erwartung an und zerstört diese nüchterne Vorahnung die Spannung? Man weiß ja nie – schließlich ließ Sofia Coppola Marie Antoinette auch der Guillotine entkommen. Oder machen wir es wie die Amerikaner, ahnungslos staunend über eine wahre Geschichte in der nicht alle Deutschen Nazis sind? Eine Befürchtung ist definitiv: Tom Cruise und Hollywood werden uns sicher nicht enttäuschen und unserer nationalen Heldengeschichte eine kitschdurchfaserte, explosionsgeladene und historisierende Fassung liefern, die aller Häme zu Dreharbeitszeiten gerecht wird.
'Operation Walküre' stellte sich für Regie, Schauspieler und Mitarbeiter im Vorfeld tatsächlich als schwieriger chirurgischer Eingriff mit narkotischen Phasen dar, gab es doch großes Gezeter, ob denn der Scientologe unseren Helden spielen und dazu im historischen Bendlerblock drehen darf. Den moralischen Teil sparen wir uns hier, ebenso den mühseligen Vergleich mit den vorangegangenen Inszenierungen, sondern konzentrieren uns aufs Wesentliche: den Nazifilm mit Tom Cruise!
Ein Kriegslager in Afrika. Wir befinden uns gleich mittendrin und ahnen wegen Stauffenbergs unheilschwangerem Tagebucheintrags 'Das Land braucht einen gewaltigen Umsturz' nichts Gutes. Kurz danach eine Explosion. Stauffenberg bleibt am Boden liegen. Schnitt. In Russland bereiten Offiziere einen ersten Anschlag auf Hitler vor. Es geht schief und beinahe fliegt die Sache auf.
Tom Cruise schreitet auf angenehm souveräne Weise Stück für Stück seinem Ziel entgegen. Keine heroische Attitüde lenkt ab und schnell vergisst man, dass es sich um 'Top Gun'-Cruise handelt. Man fiebert mit den deutschen Helden, größtenteils gespielt von britischen Größen (Kenneth Branagh als Henning von Tresckow, Bill Nighy als Friedrich Olbricht und Tom Wilkinson als General Fromm) und sieht unwillkürlich über die differenzierte Darstellung hinweg. Christian Berkel überzeugt in der Rolle des Oberstleutnant Mertz von Quirnheim, der fast in Q-Manier 007 Stauffenberg die Bombenkonstruktion erklärt und Teil der Operation Walküre wird. Entgegen der herkömmlich hektisch geifernden Figur wirkt David Bambers Adolf Hitler gespenstischer und bedrohlicher denn je. Ungewöhnlich aber erschreckend geeignet ist auch Matthias Schweighöfer als das verräterische und exekutierende Arschloch Leutnant Herber.
Abgesehen von der Szene in der sich Stauffenbergs Mitwisser zu erkennen geben, indem sie ein Zettelchen aus dem Ärmel zaubern und verschwörerisch-solidarisch hochhalten, nimmt der Film Abstand vom großen Hollywood-Pathos. Auch keine unnötig eingebauten Romance-Szenen mit Carice van Houten alias Nina von Stauffenberg lenken ab. Ihrer glanzvollen Erscheinung bleiben leider nur wenige Auftritte. Regisseur Bryan Singer ('Die üblichen Verdächtigen', 'X-Men', 'Superman Returns') schafft es, entgegen eigener und aller vorher sorgfältig angelesener Vorurteile, einen spannenden und unterhaltsamen Countdown zum Attentat zu liefern, dramaturgisch geschickt und musikalisch perfekt untermalt. Nicht mehr aber auch nicht weniger. So ertappt man sich, wider besseren Wissens, voller Hoffnung am Ende würde doch der Gute gewinnen.